Fachbereich
Schmerztherapie
Entstehung
Ein chronischer Schmerz nimmt seinen Anfang immer als akutes Schmerzproblem, jedoch besteht oft nach einer Zeit kaum eine Verbindung zum ursprünglichen Auslöser mehr. Nur das weiter quälende Schmerzproblem existiert. Am deutlichsten wird dieser Vorgang beim Phantomschmerz, bei dem in einem Arm oder Bein heftigste Schmerzen empfunden werden, obwohl das Glied amputiert und somit nicht mehr vorhanden ist. Wie man aus Forschungsergebnissen der letzten Jahre weiß, kommt dies dadurch zustande, daß die schmerzverarbeitenden Zentren in Rückenmark und Mittelhirn vor und während der Amputation überempfindlich ("sensitiviert") geworden sind und dann von sich aus Schmerz produzieren.
Therapie
Diesem Vorgang liegt ein klassischer Lern-und Gedächtnisprozess zugrunde, eine Prägung des Zentralnervensystems auf wiederholte Reizmuster mit Sensitivierung zu antworten, sie also schneller und effektiver zu verschalten. Diese Art von Chronifizierung kann grundsätzlich auf zwei verschiedenen Wegen verhindert werden: Zum einen hält man die Stärke der im Akutprozess entstehenden Schmerzen möglichst klein, indem man den Grad der Gewebeschädigung minimiert, zum anderen sorgt man durch Medikamente dafür, daß möglichst keine Gedächtnisspuren im Zentralnervensystem angelegt werden.
Hilfe durch minimal intensive Operationstechniken
Diese Prinzipien werden in idealer Weise bei der minimal invasiven Operationstechnik in Kombination mit speziellen Anästhesieverfahren verwirklicht. Die Schmerzreiz-Sensitivierungs-Kaskade, die in ihrem Ausmaß im wesentlichen vom Grad der Gewebeschädigung bestimmt wird, ist bei diesen Techniken außerordentlich gering und wird durch Verwendung spezieller Anästhesieverfahren, wie sie hier in der Klinik für MIC von Anfang an angewandt wurden, praktisch und meßbar unterdrückt. Dazu kommen uns in der Anästhesieabteilung die Jahrzehnte lange Erfahrung in der Therapie chronischer Schmerzen zugute, die zu diesen speziellen Therapiestrategien geführt haben.
Es gibt folgende minimal invasive Verfahren der Schmerztherapie:
1. Port Implantation
Ein Port ist eine Kunststoff- oder Metallkapsel mit einer Silikonmembran, die unter die Haut gesetzt, d.h. implantiert wird. Diese Kapsel wird mit einem Schlauch verbunden, der je nach Zweck dieser Port-Anlage in eine große Vene, den rückenmarksnahen Raum oder eine entsprechende Körperregion führt, in die über das Portsystem per Injektion durch die Haut ein Medikament gegeben werden kann. Portsysteme werden derzeit einmal bei schwierigen Venenver-
hältnissen, beispielsweise zur Chemotherapie gelegt oder zur Schmerztherapie mit regelmäßiger Medikamentengabe beispielsweise an das Rückenmark, wodurch Nebenwirkungen von Medikamenten vermindert werden können.
2. Katheter Implantation
Zur vorübergehenden regelmäßigen Medikamentengabe in spezielle Körperregionen (beispielsweise Nervenknoten des Sympathikus oder Nervengeflechte des Armes) können Katheter auch unter Röntgen-Kontrolle exakt plaziert und dann ambulant weiter bedient werden.
3. Pumpen Implantation
In speziell ausgewählten Fällen kann es bei Versagen oder mit zu vielen Nebenwirkungen behafteten konservativen Therapien von Schmerzen notwendig sein, eine rückenmarksnahe Gabe von Medikamenten (meistens Opioide) in Betracht zu ziehen.
Wenn dies für absehbar längere Zeit notwendig ist, wird nach Nachweis der Wirksamkeit der rückenmarksnahen Medikation eine permanent fördernde Pumpe implantiert, die über einen gleichfalls unter die Haut gelegten Schlauch regelmäßig ein entsprechendes Medikament an das Rückenmark pumpt.
Je nach Pumpengröße und Förderrate wird die Pumpe meist einmal im Monat mit einer Injektion durch die Haut aufgefüllt, was unter sterilen Bedingungen geschehen muß und nur von speziell trainierten Ärzten vorgenommen
werden darf.